Die Energiewende und ihre Auswirkungen auf die Immobilienbranche

Welchen Einfluss hat eigentlich die Energiewende auf die Immobilienbranche? Wir haben uns dieser Frage angenommen und verraten Ihnen, warum die nachhaltige Energieversorgung nicht nur Vorteile mit sich bringt. 

Der Klimaschutzplan der Bundesregierung verlangt von der Immobilienbranche, einen erheblichen Teil der insgesamt in Deutschland angestrebten CO2-Einsparungen zu erbringen. Das liegt zum Teil daran, dass der Gebäudebestand tatsächlich maßgeblich zum Energiebedarf Deutschlands beiträgt und daher sicher seinen Teil zur Energiewende beitragen muss.

Es liegt aber auch daran, dass andere Bereiche wie der Verkehrs- oder der Energiesektor deutlich stärker auf die politische Willensbildung einwirken können, weil hier internationale Großkonzerne aktiv sind, denen in Berlin alle Türen offen stehen.

Energiewende und Klimaschutz

Ziel der Energiewende ist es, die Emissionen von Treibhausgasen zu senken, allen voran die Emissionen von CO2. Treibhausgase reduzieren die Wärmeabstrahlung der Erde und sind daher ein maßgeblicher Faktor der Erderwärmung.

Die wichtigste Quelle der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen sind die fossilen Brennstoffe Kohle, Öl und Gas. Bei deren Verbrennung wird das CO2 freigesetzt, das zuvor in Jahrmillionen in der Erde gespeichert wurde. Daher besteht das wichtigste Ziel der Energiewende darin, die Verbrennung fossiler Energieträger deutlich zu reduzieren.

Einsparziele für die Immobilienbranche

Im Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung werden für alle relevanten Wirtschaftszweige die CO2-Einsparziele vorgegeben, die bis 2050 erreicht werden sollen. Zusätzlich werden Zwischenziele für das Jahr 2030 definiert.

Für den Gebäudebestand wird gefordert, dass dieser bis 2050 nahezu vollständig klimaneutral sein soll. Konkret bedeutet dies, dass der Primärenergiebedarf um mehr als 80 Prozent sinken soll, bezogen auf das Jahr 2008.

Die Immobilienbranche hat schon in der Vergangenheit wesentliche Beiträge geleistet. Etwas provokant formuliert: Die Immobilienbranche war bereits Vorreiter der Energiewende, bevor dieses Wort überhaupt erfunden wurde!

Im Jahr 1990 entsprachen die klimaschädlichen Emissionen des Gebäudebestands einem Äquivalent von 209 Millionen Tonnen CO2. Dieser Wert wurde bis 2014 auf 119 Millionen Tonnen gesenkt.

Für das Jahr 2030 schreibt der Klimaschutzplan einen Zielkorridor von 70 bis 72 Millionen Tonnen vor. Gegenüber dem Jahr 1990 soll die Immobilienbranche die Emissionen damit um 66 Prozent senken.

Andere Sektoren müssen deutlich weniger leisten. Von der Industrie wird im selben Zeitraum eine Senkung um 50 Prozent erwartet, von der Landwirtschaft um rund 33 Prozent. Auch der Verkehrssektor kommt mit 40 Prozent vergleichsweise glimpflich davon, obwohl hier deutlich höhere Einsparpotenziale vorhanden sind.

Zwei Wege zur Energiewende für die Immobilienbranche

Um den Verbrauch von Kohle, Öl und Gas deutlich zu senken, stehen im Gebäudebereich zwei Wege offen. Zunächst bietet sich eine verbesserte Wärmedämmung an, die für Neubauten in der Energieeinsparverordnung ohnehin verbindlich vorgeschrieben ist. Problematisch ist diesbezüglich nur der ältere Gebäudebestand.

Daneben kommt der Einsatz von erneuerbaren Energien in Betracht. Im Heizungsbereich zählen dazu neben der Solarthermie auch moderne Holzheizungen, beispielsweise Pelletöfen. Diese emittieren zwar CO2, sind aber dennoch klimaneutral, sofern das Holz aus nachwachsenden Beständen stammt.

Zudem rückt eine Möglichkeit verstärkt in den Fokus, die lange Zeit als ökologische Todsünde galt, nämlich das Heizen mit Strom. Moderne Wärmepumpen geben rund das Vierfache der verbrauchten elektrischen Energie als Wärmeenergie ab, wodurch die Ökobilanz deutlich verbessert wird.

Technisch ist die Energiewende machbar

Aus rein technischer Perspektive sind die Einsparziele für Immobilienbranche relativ problemlos erreichbar. Auch finanziell zahlt sich eine ökologische Bauweise eines Neubaus langfristig aus. Die Energiekosten sind deutlich geringer und außerdem ist der Wiederverkaufswert der Immobilie deutlich höher. Letzteres gilt spätestens, seit beim Verkauf zwingend der Energieausweis vorgelegt werden muss und der Käufer daher die laufenden Kosten gut einschätzen kann.

Daneben werden Energiesparmaßnahmen auch über verschiedene Förderprogramme des Bundes und der Länder finanziell gefördert. Anzumerken ist allerdings, dass die Förderung hauptsächlich die Nachrüstung des Gebäudebestands zum Ziel hat. Im Neubausegment setzt der Gesetzgeber eher auf gesetzliche Vorgaben als auf eine Förderung.

Zahlen Mieter die Energiewende?

Trotz aller positiven Aspekte gibt es auch einige Probleme. Beispielsweise zeigt sich, dass die vorgeschriebene Wärmedämmung von Mietshäusern bei einer Erneuerung der Fassade nicht in jedem Fall sinnvoll ist. In einigen Fällen stehen die auf die Mieter umgelegten Kosten in keinem vernünftigen Verhältnis zu den eingesparten Nebenkosten.

Ein weiteres Problem liegt darin, dass die Neubaukosten durch die Auflagen der Energieeinsparverordnung spürbar steigen. Damit gerät die Energiewende in einen Zielkonflikt zu einem anderen wichtigen politischen Anliegen, nämlich der Schaffung preiswerten Wohnraums für Gering- und Normalverdiener.

Insbesondere in den Metropolen mit hohem Wohnraumbedarf erweist sich dies als problematisch, da hier die Baukosten zusätzlich durch die explodierenden Grundstückspreise in die Höhe getrieben werden.

Wo bleiben die Ausnahmen für die Immobilienbranche?

Die Energiewende ist richtig und notwendig. Die Politik hat sich in vielen Fällen aber kompromissbereit gezeigt, wenn wichtige Interessen auf dem Spiel stehen: Es gibt kein Auslaufdatum für Verbrennungsmotoren, die Laufzeiten von alten Kohlekraftwerken wurden verlängert und es wird nach wie vor Braunkohle verstromt, die der mit Abstand klimaschädlichste Energieträger ist.

Uns erscheint es, als sei die Notwendigkeit preiswerten Wohnraums auch ein wichtiges politisches Anliegen. Nicht zuletzt angesichts des kurzfristigen Wohnraumbedarfs infolge der Migrationsbewegungen der letzten Jahre könnte die Politik auch hier über vorübergehende Ausnahmen von hohen Klimastandards nachdenken.

Vielleicht fehlt einfach ein großer Akteur in der Immobilienbranche, der mit derselben Vehemenz auf diese notwendigen Ausnahmen drängen kann, wie dies große Energie- oder Autokonzerne regelmäßig tun?

Wie denken Sie darüber? Wir sind auf Ihre Kommentare gespannt!

Bildquelle: Karsten Würth | unsplash.com

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